Voraussetzung: Mondschein   

Um eine der begehrten Trophäen für zu Hause ergattern zu können, geht man auf die Wolpertinger-Jagd. Sie erfordert eine gründliche Planung, denn nur so gibt es eine Aussicht auf Erfolg. Zunächst benötigen Sie eine offizielle Jagd-Erlaubnis. Immerhin ist der Wolpertinger inzwischen beinahe ausgerottet. Diese erhalten Sie entweder beim zuständigen Forstamt oder beim bayerischen Innenministerium.

    Entscheidend für den Jagderfolg ist auch der richtige Zeitpunkt. Die Jagd muss unbedingt bei Nacht stattfinden und zwar am günstigsten bei Vollmond. Schließlich kommt ein Wolpertinger nur bei Mondlicht aus seinem Bau. Genau 15 Tage vor starken Gewittern zeigen sie sich besonders häufig.

Die Ausrüstung

Erfahrungsgemäß ist die Jagd am erfolgreichsten, wenn eine ledige Dame allein mit einem ortskundigen Herrn loszieht. Unbedingt mitzunehmen sind ein Kartoffelsack, ein Stock, eine Kerze aus Bienenwachs und - wenn möglich - ein Spaten. Sie sollten sich auf eine lange Wartezeit einstellen und entsprechend Proviant und warme Decken dabei haben.


Die Falle

An einer besonders dunklen, dichtbewaldeten Stelle platzieren Sie nun Ihre Falle. Den Stock stellen Sie so in die Öffnung des Kartoffelsacks, dass dieser geöffnet bleibt. Die Kerze stellen Sie rund 30 Zentimeter vor die Öffnung – nur im äußersten Notfall darf es eine Taschenlampe sein.

Der Wolpertinger reagiert neugierig auf das Licht, auf den Duft des Bienenwachses und der Kartoffeln. Mit dem Spaten können Sie ihn schließlich in den Kartoffelsack schieben. Aber hier ist Vorsicht geboten: Sowohl Flügel als auch Gehörn sind äußerst empfindlich. Ist das scheue Wesen im Sack, sollten Sie ihn schnell verschließen und aufpassen, dass Sie nicht durch den Stoff gebissen werden.

Ein wildes Nutztier

Sollten Sie unversehens Glück haben und einen Wolpertinger fangen, gibt es etwas, das Sie wissen sollten: der Wolpertinger ist ein kostbares Nutztier. Mit diesem Fang werden Sie zahlreiche Probleme auf einmal los.

Der Wolpi verleiht prachtvolles Haar ...

Zunächst zapfen Sie ihm unbedingt seinen Speichel ab. Die Wolpertinger-Spucke ist ein hervorragendes Haarwuchsmittel, das selbst bei Glatzköpfen Wunder bewirkt. Nur selten findet man das kostbare Elixier auf dem Markt. In Bayern ist die enorme Wirkung der "Wolpi-Spucke" schon lange bekannt, was die spezielle Haarpracht der Bevölkerung erklärt.

... unendliche Kraft ...

Im nächsten Verwertungsschritt gilt es, den Bauchspeck des wunderbaren Wesens fein säuberlich vom Rest des Körpers zu trennen. Da der Wolpi meist recht mollig ist - keine schwierige Übung. Sein Bauchspeck verleiht unendliche Kraft. Mit dem rohen Speck muss man sich zunächst einreiben. Anschließend verspeist man die Köstlichkeit. So kann die Heilkraft gleichmäßig sowohl von innen als auch von außen wirken.

... und Glück in der Liebe

Die Hörner sollten sie keinesfalls wegwerfen. Zu Pulver zerstoßen, haben Sie endlich das Geheimrezept der bayerischen Liebe in der Hand. Mit diesem Pulver bestäuben Sie die Dame oder den Herren Ihrer Wahl und Sie werden staunen, wie schnell Sie dessen Gunst gewinnen. Sollten Sie es nicht über das Herz bringen, das kostbare Geweih zu zermahlen, hängen Sie es einfach als Ganzes an die Wand. So verleiht es Glück in der Liebe und - häufige Lust darauf.

Angreifender Wolpi c-dpa
Wolpertinger-Jagd